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Cecilie Copenhagen und der PLO-Print

Donnerstag, 22. Mai 2014



Ganz ehrlich, als ich vor knapp einem Jahr auf den Zweiteiler von Cecilie Jorgensen aufmerksam wurde, habe ich im ersten Moment nicht an den historischen Hintergrund dieses Musters gedacht. Das kam später. Zunächst war ich einfach nur angetan. Die farbige Tunika mit passender Shorts gefiel. Somit war die Freude groß, als klar war, dass am 8. Mai das Studio in Kopenhagen und am 12. Mai der Onlineshop eröffnen würden. Was neben der Freude darüber dann in Gang gekommen ist, ist eine Diskussion, die mich zum Nachdenken brachte. Kann man ein solch politischbeladenes Stück Stoff überhaupt tragen? 

Ich finde, man kann. Es ist nicht das erste Mal, dass der PLO-Print Verwendung in der Mode findet, wie man zuletzt noch bei lala Berlin sehen konnte. Das kann bei Weitem natürlich nicht allein als Legitimation dienen. Aber ist es nicht so, dass es gerade die Mode vermag, damit transportierte Botschaften zu verändern? So bekommt Kleidung doch erst ihre Bedeutung durch denjenigen, der sie trägt. Natürlich sollte man sich der Geschichte dieses Tuches bewusst sein. Und die ist lang. Das aus dem Irak stammende schwarz-weiße Tuch namens Kufiya oder Hatta wurde dort ursprünglich von Beduinen und Bauern als Schutz gegen Sonne und Staub getragen. Auch heute noch ist dieses traditionelle Kleidungsstück in der arabischen Welt weit verbreitet. In den westlichen Breitengraden erlangte es als Palästinensertuch an Bekanntheit, weil es sich im Zuge des Nahostkonfliktes zu einem Symbol für die kämpfenden Palästinenser entwickelt hatte. Jassir Arafat, der Anführer der Fatah-Organisation, hatte es bei öffentlichen Auftritten stets als Kopfbedeckung auf und machte es zu seinem Markenzeichen. Bei uns in Deutschland trugen es dann in den 68ern zunächst die Linken als Zeichen der Solidarität mit der PLO. In den 90ern begannen die Rechten, das Pali-Tuch zum Ausdruck ihrer Gesinnung zu machen. Als Teenager habe ich es selbst getragen, ohne die eine oder andere Einstellung, einfach, weil ich es chic fand.       

Konnotationen verändern sich. Man selber kann den Dingen eine neuen Rahmen, eine andere Bedeutung geben. Neben dem Pali-Tuch gibt es weitere Kleidungsstücke, die ihr politisches Statement verändert, verschoben oder gar abgelegt haben und heutzutage ganz selbstverständlich getragen werden, ohne eine Welle der Empörung hervorzurufen. Bomberjacken brachte man lange Zeit mit politisch motivierten Skinheads in Verbindung, genauso wie Doc Martens. Mal ganz zu schweigen vom Military Look generell. Solange man sich kritisch mit dem auseinandersetzt, was man da trägt, finde ich nichts Verwerfliches daran.

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